Ev. Ref. Kirchengemeinde Berchum

  

Die Enstehung der Kirche

aus "Heimatblätter für Hohenlimburg", Juli 1931, Hermann Esser

Im Laufe der Zeit war die Nikolaikapelle zu Berchum derartig zerfallen, daß sie selbst den bescheidensten Ansprüchen nicht mehr genügen konnte. "Ein jeder unter uns weiß," sagt Pfarrer op den Winkel in seiner Weiherede, "wie erbärmlich unsere vorige Kirche verfallen war, daß wir auch mit Lebensgefahr eine geraume Zeit den Gottesdienst darin haben wahrnehmen müssen. Unsere Vorfahren haben schon längstens gewünscht, ein neues Haus zu sehen und bereits anno 1648 beratschlagt, selbiges abzubrechen; aber der Mangel an Mitteln, um einen so kostbaren Bau auszuführen, hat sie jederzeit abgeschrecket, so daß wir uns durch die äußerste Not gedrungen sahen, im Vertrauen auf Gottes Hülfe das Werk anzugreifen".

Die Gemeinde war blutarm, die Kirchenmittel gering. Aber Peter op den Winkel schaffte Rat. Er unternahm eine Kollektenreise, die ihn bis nach Holland führte. "Da ich meine Reise schier geendigt und die eingesammelten Liebesgaben nicht zulänglich waren, den Bau zur Vollkommenheit zu bringen," erzählt er, "da bahnte mir der Herr unvermutet in Seeland einen Weg, wo er mir einige Seelen anwies, die so reichlich beisteuerten und mit so vielen Liebeserquickungen mich überhäuften, daß so lange mir meine Augen offen stehen, nicht werde vergessen können das Gute, welches sie an uns getan haben." 1247 Rtlr. 15 Stüber brachte er nach mondenlangen Bemühen heim, weshalb ihm auch das Berchumer Presbiterium "für sein treu-fleißges Collektieren, auch da er auf seiner Reise viel Kleidung konsumiert", gerührten Herzens 60 Rtlr. bewilligte. Aber noch waren deie Mittel nicht zusammengebracht. Eine von dem Grafen "in seinen gesamten Landen" bewilligte Sammlung ergab 150 Rtlr.; aus Kirchenkapitalien konnten 206 Rtlr. beigesteuert werde, und da die Summen noch nicht genügten, entschloß man sich schweren Herzens, einen Teil der gemeinsamen Mark auszutun. Der Erlös aus diesen Markenplätzen ergab 467 Rtlr. 30 St., so daß insgesamt 2070 Rtlr. 45 St. zur Verfügung standen.

Unterdessen hatte man 1730 unter Mitwirkung des Zimmermeisters Ribbert von Elsey den alten Bau abgetragen und den Grund zum neuen Gotteshause gelegt unter teilweiser Benutzung der alten Fundamente. Die Maurerarbeiten übernahm Meister Westenius, die Zimmerarbeiten Ribbert. Die Leiendeckung Ledderhose, den Turmbau Nölle, dei Schreinerarbeiten Becker. Insgesamt erforderte der Bau 2067 Rtl. 33 St., so daß die vorhandenen Mittel genügten.

*Am 25. Juli 1731 wurde das Gotteshaus "in Gegenwart des regierenden Landesherrn des Grafen Mauritz Casimir und dessen Gemahlin wie auch ihres Herrn Schwagers Grafen zu Isenburg-Meerholz und dessen Gemahlin, die verwittibte Frau Gräfin zu Isenburg und Comtessen zu Solms" von Peter op den Winkel eingeweiht. Die Festrede über 1.Petri 2,5 fand derartigen Anklang, daß sie "zur Erbauung der Gemeinde auch dem Druck übergeben wurde". (Dortmund, Joh. Christoph Froberg)

Das Kirchlein, eischiffig, mit rundbogigen Fenstern und Westturm, bietet im Innern wenig Sehenswertes. Reich ist es an Grabmälern der alten Edelgeschlechtern, die ehemals auf dem Hause Berchum wohznten, der Familien Romberg und Wrede nebst deren Anverwandten. Alt sind die Glocken. Sie tragen die Jahreszahlen 1517 und 1544 und daneben die gleiche Inschrift:

              " O  vos audite, voco vos ad gaudia vite "

             (O höret, ich rufe Euch zur Freude des Lebens!)

* Im Kirchenbuch steht geschrieben: "24. July auff Jacobi Tag.." - gemeint ist aber wirklich der 24., nämlich der Tag auf Jacobi hin. Insoweit wird auch Esser zu berichtigen sein.